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Berufsunfähigkeitsversicherung: Anspruch auf Leistungen auch bei Burn-out

Bei psychischen Leiden wie einem Burn-out verweigern viele Berufsunfähigkeitsversicherer ihren Kunden die Auszahlung der vereinbarten Rente. Dabei haben viele Kunden sehr wohl einen Anspruch auf Leistungen aus ihrer Police. Darauf weist das Portal anwalt.de hin. In der Vergangenheit entschied das Landgericht München I verbraucherfreundlich. Allgemeingültige Präzedenzfälle gibt es jedoch nicht. Ob der Kunde auf eine Auszahlung hoffen darf, unterliegt immer stark den konkreten Versicherungsbedingungen des Unternehmens.

Psychische Erkrankungen führen immer häufiger dazu, dass der Beruf unterbrochen oder aufgegeben werden muss. Sie sind beispielsweise deutlich häufiger als Unfälle für einen vorzeitigen Abschied aus dem Arbeitsleben verantwortlich. Um Leistungen aus ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung zu erhalten, müssen Betroffene nachweisen, dass sie ihrer Tätigkeit zu weniger als 50 Prozent nachgehen kann. Psychisch Erkrankten fällt dieser Nachweis der eingeschränkten Leistungsfähigkeit jedoch deutlich schwerer als Menschen mit körperlichen Leiden.

Verbraucher müssen Versicherungsbedingungen im Vorfeld checken

Die Versicherer weisen bei einer Ablehnung oftmals darauf hin, dass Burn-out nicht als wissenschaftliche Krankheit anerkannt ist. Vielmehr wird der Zustand der völligen Erschöpfung offiziell als ein Problem der Lebensbewältigung eingestuft. Nach den Versicherungsbedingungen kann ein Burn-out jedoch sehr wohl unter den Begriff der Krankheit fallen. Häufig umfasst die Definition alle von der Normalität abweichenden körperlichen und geistigen Zustände, die dazu führen, dass die Berufstätigkeit eingeschränkt oder gar vollständig niedergelegt werden muss.

Verbindlich sind allerdings nicht die allgemeinen Bedingungen für die Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern die Versicherungsbedingungen des jeweiligen Unternehmens. Sie entscheiden darüber, ob der Kunde letztendlich auch bei einem Burn-out einen Anspruch auf Leistungen aus seiner Police hat. Für Verbraucher bedeutet das, dass es äußerst wichtig ist, gute von schlechten Anbietern zu trennen. Sie sollten vor dem Abschluss einen genauen und kritischen Blick in die Versicherungsbedingungen werfen müssen und im Zweifelsfall bei dem Versicherer nachfragen oder einen unabhängigen Experten einschalten.

Urteil des Landgerichts München pro Selbstständigem mit Burn-out

Das Landgericht München I hat in einem zurückliegenden Urteil (v. 22.03.2006, Az.: 25 = 19798/03) verbraucherfreundlich entschieden. Durch die hohe Anzahl von Burn-out Fällen im Beruf ist der Richterspruch weiterhin von großer Relevanz. Dennoch handelt es sich grundsätzlich um einen Einzelfall unter Berücksichtigung der genauen Versicherungsbedingungen.

Geklagt hatte ein selbstständig tätiger Finanzberater. Der Mann hatte in Folge einer immensen Arbeitsbelastung von über 50 Stunden Arbeit allein an den Wochentagen einen Burn-out erlitten. Er war geplagt von einer Persönlichkeitsstörung und Angstzuständen, die es ihm nicht mehr ermöglichten, zu arbeiten. Der Versicherer des Mannes hatte die Anerkennung jedoch mit dem Hinweis verweigert, dass keine Berufsunfähigkeit vorliege.

Ein Gutachter, der durch das Gericht beauftragt wurde, attestierte dem Finanzberater während des Prozesses eine 50-prozentige Berufsunfähigkeit. Zudem war für die Richter ausschlaggebend, dass der Selbstständige so stark eingeschränkt war, dass er seine Arbeit nicht einfach umstrukturieren konnte. Wichtig war auch das ärztliche Gutachten als Nachweis und die Tatsache, dass die Beeinträchtigung über einen dauerhaften Zeitraum von mehr als sechs Monaten vorlag.

Versicherungsombudmann als Alternative zur Klage

Erfüllen andere Betroffene viele Kritierien aus der Urteilsbegründung, dürfen sie sich grundsätzlich Hoffnung machen, einen Anspruch auf Leistungen zu haben. Diesen müssen sie jedoch nicht zwangsläufig vor Gericht durchsetzen. Im Falle einer Niederlage können die Prozesskosten zu einer immensen finanziellen Belastung führen. Deshalb empfehlen Verbraucherzentralen und Institutionen wie die Stiftung Warentest die unabhängige Schlichtungsstelle Versicherungsombudmann. Unternehmen müssen sich bis zu einer strittigen Summe von 10.000 Euro an die Entscheidung halten, Verbrauchern steht in jedem Fall auch bei einem negativen Gutachten weiter der Gang vor das Gericht offen.

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